Kein Leben ohne Schreiben

 

Mein erster Computer war ein Amiga 500. Er wurde mir von meinem großen Bruder aufgetragen, der seinen ersten Windows PC bekam. Verflixt, war ich neidisch. Aber da stand ja nun dieser wunderbar vergilbte Kasten in meinem Zimmer. Ein Kasten, in dem man eine riesen Ansammlung neuer Welten finden konnte. Disketten ratterten von morgens bis abends und meine Nase bekam vorne eine platt gedrückte Stelle.

Doch irgendwann hat auch dies nicht mehr gereicht, denn die Geschichten, die ich in den Computerspielen erleben konnte, haben meine Phantasie nur noch mehr angeregt. Kaum hatte ich mich versehen, ging das Appetizer-Programm auf und ich schrieb. Da ich viel mit Krimis zu tun hatte, schrieb ich eine Geschichte über einen Mord in meiner Schule. Ziemlich blutig für eine Neunjährige.

Recht bald artete mein jugendlicher Krimi aus und Charaktere flogen, irgendwer zauberte und plötzlich waren da Monster. Ich rutschte in Fantasy ab und davon kam ich nicht mehr weg. Harry Potter, sechs Jahre später dann, hat das Ganze nicht besser gemacht. Na ja, und meine Ausbildung in einem Fantasyshop hat meine Zukunft besiegelt. Doch eigentlich war es damals schon klar. Als mein zwölfjähriger Hauptcharakter auf ein schimmerndes Wölkchen stieg, dass über einer entstellten Leiche schwebte, hatte mich die Fantasy fest im Griff.

Warum habe ich also nun erst vor, mit siebenundzwanzig Jahren, Geschichten für die weite Welt zu schreiben?

Angst. Und zwar auch, weil ich mich nicht für gut genug hielt, aber eher, weil ich damit endlich meinem Lebenstraum folgen würde. Dem Traum, meinen Lebensunterhalt mit meinen Geschichten zu verdienen. Nicht reich werden. Nicht berühmt und angebetet werden, sondern vom Schreiben leben zu können. Da ich ja sonst nichts kann. Beziehungsweise, da ich ja sonst nichts will. Und was, wenn ich jetzt merken sollte, dass es nicht klappt? Wovon dann träumen? Ich hatte Angst, meine verrückte, verträumte Welt würde implodieren und sich einfach zu einem Klumpen Nichts zusammenziehen. Mit einem Knall und schlurp – alles weg.

Und was habe ich dafür bekommen? Ich habe mich in Jobs abgewetzt, die mich unglücklich gemacht haben und immer weniger geschrieben, bis ich irgendwann sogar aufhörte zu träumen.

Schlurp – alles war weg.

Zum Glück hat mich der Knall der Implosion geweckt und ich hab mein ganzes Leben noch einmal umgekrempelt und siehe da, ich schreibe wieder. Ich träume – oh wie ich träume…

Und nun bin ich hier.

Writing in the woods
(c)Judith Schöne
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2 Kommentare zu „Kein Leben ohne Schreiben

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  1. „Ein schimmerndes Wölkchen […], das über einer entstellten Leiche schwebte.“ Maaaan, diese Bilder im Kopf ((XD

    Es ist schön, dass Du mit dem Schreiben wieder begonnen hast, und dass Du Dich getraut hast, etwas so persönliches, wie Deine Erzählungen, nun nach außen dringen zu lassen. Einige Zeit erging es mir genauso mit meinen Comics, bis ich feststellen musste: Das ist das, was ich will – und das, was ich bin. Und so habe ich das Zeichnen wieder aufgenommen, und will es nie mehr missen.

    Ich bin gespannt, wohin unsere Wege uns führen werden – Und ich freue mich, mehr von Deinen Welten zu lesen, und Dich so ein Stück weit auch auf Deinem Weg zu begleiten.

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    1. Danke für die inspirierenden Worte. Es ist wirklich nicht einfach, sich mit seinem Baby an die Öffentlichkeit zu trauen. Es fühlt sich ein wenig so an, als würde ich in Unterwäsche auf die Straße gehen. (dabei bin ich echt nicht exhibitionistisch.) aber es fühlt sich gut an, also sollte ich vielleicht einen besseren Vergleich finden 😉

      Ich bin froh, dass du ebenfalls deinem Traum folgst. Bei deiner Kreativität, deinem Humor und den irren Ideen, macht es mir genauso viel Freude, Dich auf Deinem Weg zu begleiten.

      PS: die Arschkarte in meiner Handtasche lässt mich regelmäßig an dich denken. 😉 saugeile Idee !!!

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