Popel

Dies ist einer dieser Texte, den ich schreibe und dann verstecke. Ich denke, keine Sau kann das lustig finden, wer hat mir da schon wieder ins Hirn geschissen und vergessen um zu rühren?

Ja, ja nur zur Übung und zur Strafe.

Die wunderbare Gitte:


Ich will ja nicht behaupten, dass ich ihn nicht mag. Immerhin liebe ich ihn. Doch wie er manchmal meinen Namen sagt. „Gitte“, sagt er. Dabei verunstaltet er die beiden Ts mit fiesem Schnalzen seiner Zunge. Das pfeift sogar manchmal durch seine Zähne. Hat jemand so etwas schon erlebt? Beim Aussprechen des Ts pfeift es durch die oberen Schneidezähne. Keiner. Unmöglich, sage ich. Doch ich muss es mir anhören. Als ob er die Mitte meines Namens hassen würde. Dann sagt er so etwas wie: „tu mir nicht immer weh.“ oder „warum wirst du so schnell wütend?“ Als könne ich irgendwas dafür. Wobei. Ich glaube, ich mach es schon mit Absicht. Aber ich denke er will das. Zumindest in diesen Momenten. Danach rächt er sich immer. Irgendwo im Haus finde ich dann diese unförmigen Krusten. Meist unter irgendetwas klebend. Unterm Esstisch, einem Stuhl, an der Wand oder der Matratzenseite. Heinz ist da sehr kreativ. Manchmal bin ich überrascht wie er zu manchen Stellen gefunden hat.
Falls ich ihn dann darauf anspreche fordert er mich auf, einen Gentest zu veranlassen. Woher ich wisse, dass dies Popel seien. Das könne alles sein. „Spinnescheiße!“ schreit er dann verärgert. Nur, weil ich ihm nicht glaube und ihm das sage.
Wenn er schreit werde ich ganz unruhig. So sehr, dass mir allerlei Unglück passiert. Meistens reicht es, wenn er dann meinen Namen sagt. Den Fluch ausspricht, den er über die beiden Ts gelegt hat. Das führt dann zum nächsten Fund. Grüne Überraschungen. Sprengstofffallen für seine Läuse. Naschkekse für Zwischendurch. Nasenschüppchen. Verklebter Elfenstaub. Mir fallen viele Bezeichnungen ein.

Tja und manchmal bin ich zu früh dran. Deswegen versuche ich mich immer einen Tag zurückzuhalten, bevor ich wieder putze. Als Krusten sind sie einfach besser zu entfernen.

Mein Mann ekelt mich nicht. Er ist nett, bringt mich zum Lachen und er geht regelmäßig duschen. Außerdem teilen wir beim Geschlechtsverkehr ja auch unsere Körperflüssigkeiten. Nur eben nicht diese Art von Flüssigkeiten.

Am schlimmsten sind die Leute. Andere Leute gucken schon ganz komisch. Wenn zum Beispiel seine Kinder da sind, muss ich vorher super gründlich sein. Denn der Kleinste geht sogar schon unter den Tisch, um nachzusehen.
Streiten ist niemals eine Lösung. Weder mit dem Kind noch mit Heinz. Vor allem, da der kleine Bengel nicht mal ganze Sätze sprechen kann. Also kann er nicht vernünftig diskutieren und fängt sofort das Heulen an, wenn ich auf ihn zugehe.

Wer ständig popelt, muss immer häufiger popeln. Die Nase produziert alles nach, was rausgepopelt wurde. Dann merkt sie es sich und stellt mehr davon her. Ich sag Heinz das immer wieder. Aber ach, er hört nicht; will es nicht verstehen und durch Schmerz lernt er auch nicht schneller. Den größten Schmerz habe jedoch ich. Seelischer Schmerz. Wenn er meinen Namen flucht. Wenn alle meine Wohnung nach Popeln durchsuchen. Weil sie sich überall verstecken. Gemein und manchmal so überraschend klebrig. Alle wissen es und verfluchen ebenfalls meinen Namen. Gäbe es doch nur irgendeinen Ausweg. Aufregen und sich damit nur noch mehr seelische Qualen zuzufügen hilft nicht. Man muss das Problem beim Ursprung bekämpfen. Was nützt es über Symptome zu klagen?

Also war ich mit meinem Mann beim Arzt. Zumindest jemand Arzt-Ähnliches. Er fand meine Vorgehensweise sehr forsch. Sagte, ich hätte eine besondere Art mit Problemen umzugehen. Aber er musste mir zustimmen. Es kann nun nicht mehr zu diesen Problemen kommen. Fast wie in einem Wunder wirkte alles wieder ruhig. Keine pfeifenden Ts, kein Streit, keine Popel. Das Leben ist wieder gut. Zwar muss ich häufiger Brei kochen und darf das Toastbrot nicht mehr rösten, aber wie man so schön sagt: Alles hat seinen Preis.

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9 Kommentare zu „Popel

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      1. Ja, das stimmt, hahaha 🙂
        Ich weiß es nicht – ich habe den Film nicht angeguckt 😀
        Mein Bruder hingegen wurde von seiner Freundin dazu gezwungen, das ganze Buch durchzulesen. Er meinte er wäre danach traumatisiert gewesen.

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      2. Vermutlich. Oder gemein ihre sadistische Natur, die ihn getrieben hat, etwas derart obszönes zu lesen. Vor allem nicht tiefgründig oder wachrüttelnd obszön. Einfach obszön des Skandales Willen. Ich hoffe er leidet nicht allzu sehr darunter. Trennung und die Erinnerung an das Buch 😉

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      3. Ja, die Trennung hat er wohl gut überwunden. Befindet sich auch schon wieder in einer neuen Beziehung.
        Gut, da könnte ich auch nur mutmaßen. Aber sie wusste wohl nicht so recht, was sie eigentlich wollte.
        Richtig, gab keinen Grund damals das Buch zu lesen außer den Skandal. Und wie du gesagt hast, war auch kaum etwas dran außer dem Skandal. Dadurch hat das Buch eine unverdiente Aufmerksamkeit genossen, die andere Bücher sicherlich eher verdient hätten – und das ist die eigentliche Tragödie.

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