Trieb

Ihre grünen Augen folgen dem Fall der Münze. Langsam dreht sich das Metall und sinkt. Ein leises Pling tönt auf, als es an einer Strebe des Einlaufgitters hängen bleibt. Nur für einen kleinen Moment scheint das runde Silber anzuhalten. Dann zuckt es, springt auf und rotiert, während es durch einen Schlitz verschwindet.

Das Mädchen atmet ein, zieht regenschwere Luft in ihre Lungen. Der Duft von feuchtem Asphalt beschleunigt die Zeit. Tropfen prasseln auf ihren Kopf, ihre Schultern und das Gitter.

Schnell streckt sie die Hand aus, geht in die Knie und wieder hält die Zeit sie auf. Zieht wie Kaugummi an ihren Bewegungen. Ihre Hand, blass und von blauen Äderchen überzogen, nähert sich greifend dem Gitter. Keinen Atemzug lang, doch ewig in ihren Augen. Sodass sie meint zu ersticken, wenn sie endlich das kühle Metall berührt. Kühl wie ihre eigene Hand, kaum spürbar. Noch während ihr Fleisch sich wölbt, als sie es durch den Schlitz zu schieben versucht, weiß sie, dass sie nicht hindurch gelangen wird. Sie drückt dennoch, fühlt Blätter und Plastik mit den Spitzen ihrer Finger. Fühlt die Kante der Münzen.

Sogleich prasselt der Regen in übliche Schnelle, spült Rinnsale an des Mädchens Haut hinab. Und sie drängt tiefer hinein, greift, rutscht ab, drückt fester und weiß, nie mehr zu entkommen.

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